Am 9. November 2018 gedenken wir auch in Neuss jener Nacht vor genau 80 Jahren, in der überall in Deutschland unschuldige Menschen brutal misshandelt und verhaftet, Wohnungen und Geschäfte jüdischer Familien verwüstet und die Synagogen in Brand gesteckt wurden. Die Pogromnacht im Jahr 1938 war eine tiefe Zäsur in der Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung. Spätestens diese Nacht roher Gewalt markierte vor den Augen der Öffentlichkeit das vorläufige Ende des jüdischen Lebens in Deutschland. Gelang nicht mehr die Flucht, führte der Weg in die Vernichtung.
Aus Anlass des offiziellen Gedenkens an die Pogromnacht in Neuss hat die Stadt Neuss 2018 einen besonderen Ehrengast aus London eingeladen. Im Stadtarchiv wird Frau Gaby Glassman am Vorabend des Gedenktages einen Vortrag halten, zu dem wir Sie hiermit herzlich einladen:
Gaby Glassman (London/GB)
„Die Familie Simons aus Neuss“
Donnerstag, 8. November 2018 – 19:30 Uhr
Stadtarchiv Neuss, Oberstraße 15, 41460 Neuss
Am Schicksal der bekannten Neusser Familie Simons lässt sich exemplarisch die Geschichte der Juden in Neuss bis zum Zweiten Weltkrieg veranschaulichen – von Zeiten des Aufstiegs ins städtische Bürgertum und der vermeintlichen Integration bis zu Flucht und Holocaust. Gaby Glassman-Simons ist Enkelin des letzten Inhabers der Ölmühle Simons, die bereits 1929 vom Unternehmen Walter Rau gekauft wurde. Ihr Ururgroßvater Nathan Simons war der Gründer der Mehlmühle Simons am Hafenbecken 1. Gaby Glassman wird von ihren jüdischen Vorfahren erzählen und wie ihr Vater Rene Simons (1904-1980) den Krieg überlebt hat. Ihre Großeltern Paul Simons und Ida Simons, geb. Rosenberg wurden 1943 in Sobibor ermordet. Auch wird Frau Glassman von ihrer therapeutischen Arbeit mit Nachfahren von Opfern des Holocaust berichten.
Gaby Glassman, Tochter zweier ehemaliger jüdischer Deutscher, die nach Holland flohen, wurde nach dem Krieg in Amsterdam geboren. Sie hat an der Universität Amsterdam studiert und ist seit 1973 mit einem Engländer verheiratet. Als Psychologin und Psychotherapeutin arbeitet sie in ihrer Privatpraxis mit den Folgegenerationen von Opfern des Holocaust in London und auch international. In den letzten 30 Jahren hat sie in ihrer örtlichen Synagoge Holocaust-Gedenkabende geleitet, an denen viele Zeitzeugen teilgenommen haben. Gaby Glassman hat zwei Kinder und vier Enkel.


Am 8. November, einen Tag bevor sich die Reichspogromnacht zum 80sten Male jährt, wird der jüdische Musiker Daniel Kempin ein Konzert in der Evangelischen Kirche Waldniel geben. Daniel Kempin stammt aus einer jüdisch-christlichen Familie und entschied sich als junger Mann, zum Glauben seiner Vorfahren, dem Judentum zurückzukehren. Er studierte nicht nur Musik, sondern auch die Sprache seiner Vorfahren: Jiddisch. So sind auch viele der Lieder, die er singt, in Jiddisch.

Nach der Gründung der GCJZ im November 2002 bestand länger Zeit noch die Überzeugung, dass in Neuss bald eine eigene Synagoge und ein Gemeindezentrum in der Innenstadt gebaut werden würde. Die Hoffnung war groß, aber viele kleine, manchmal höchst persönliche Gründe sprachen dagegen. In dieser Zeit des Wartens feierten wir die jüdischen Feste meistens im Martin-Luther-Haus, weitere Veranstaltungen fanden im Edit-Stein-Haus und in der Stadtbibliothek statt. Der damalige Bürgermeister Herbert Napp, ein energischer Befürworter des Neubaus, musste aber bald dieses Ziel aufgeben. Nun waren neue Ideen gefragt für einen dauerhaften Treffpunkt unserer jüdischen Mitbürger. Durch Initiative des im letzten Jahr verstorbenen Beigeordneten Ernst-Horst Goldammer und des hoch motivierten Vorstandsmitglieds Alexander Bederov, konnte schließlich der nicht mehr benötigte Kindergarten der Pfarre Heilig-Geist in der Nordstadt mit Hilfe der Stadt Neuss erworben werden. Der Anfang war nicht leicht, denn die Umbauarbeiten zogen sich in die Länge. Doch 2008 konnten die Räumlichkeiten ihrer neuen Bestimmung übergeben werden.
Bürgermeister Breuer, der ebenfalls viel Elan und Zeit einsetzte, um das Ziel aus dem Jahre 2002 endlich zu verwirklichen, skizzierte die weiteren Pläne: Vergrößerung der Räumlichkeiten, neue Gartengestaltung und Bau einer kleinen Neusser Synagoge an diesem Standort. Außerdem wird auch endlich mit seiner klaren Unterstützung konkret, dass eine Neusser Partnerstadt in Israel gesucht wird. Damit beauftragte er den ersten Beigeordneten Frank Gensler in Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde.

