Angriff auf die Alte Synagoge in Essen am 17. November 2022

Der aufgedeckte Plan für einen Brandanschlag auf die Synagoge in Dortmund und der Brandanschlag auf ein unmittelbar an den rückwärtigen Bereich der Bochumer Synagoge angrenzendes Gebäude sowie die Schüsse auf das Gebäude der Alten Synagoge  – dem Haus der jüdischen Kultur der Stadt Essen – sind ein Anschlag auf unsere Werte in einem demokratischen Gemeinwesen und damit auf uns Alle.

Die Angriffe beweisen, dass Staat und Bevölkerung die Sicherheit der jüdischen Gemeinden und Institutionen nicht vernachlässigen dürfen und es im Gegenteil gute Gründe für eine Ausweitung und Intensivierung der Schutzmaßnahmen gibt. Wichtig ist es, die Täter oder den Täter schnellstmöglich zu ermitteln und das Umfeld zu untersuchen, in dem solche Straftaten reifen konnten.

Außerdem ist es notwendig, Antisemitismus in jeder Form als grundlegendes gesellschaftliches Problem zu begreifen, dem nicht mit Gleichgültigkeit oder gar Nachsicht begegnet werden darf. Ob antisemitische Schmähungen nicht nur in den „unsozialen Medien“, Beleidigung von jüdischen Menschen oder als Kritik an der israelischen Politik verklausulierte Angriffe, jede dieser Aktivitäten muss verfolgt werden.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Neuss sieht sich in diesem Anliegen an der Seite die Jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die ein Anrecht auf Solidarität haben.“

 

Ansprache zum Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938

Ansprache zum Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938

Zum Gedenken an die Pogromnacht am 9. November hielt Bert Roemgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, eine sehr eindringliche Rede.
Hier der Text im Wortlaut:

Kwod Ha’Rav,

sehr geehrter Herr Rabbiner Kaplan,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Breuer,
sehr geehrter Herr Landrat Petrauschke,
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit,
sehr geehrte Damen und Herren aus Politik und Verwaltung,
verehrte Gäste,

 

Am 9. November 1938, also heute vor 84 Jahren wurde genau an dieser Stelle die Neusser Synagoge niedergebrannt. Vor 84 Jahren begann der Auftakt zu Rassenwahn, zur Entwürdigung, zur Folterung und zum systematischen Morden und Töten, an dessen Ende die Vernichtung von 6 Millionen Juden stand. 6 Millionen Männer, Frauen und Kinder jüdischen Glaubens.

Schon deutlich vor diesem Datum wurden Neusser daran gehindert, in jüdische Geschäfte zu gehen beispielsweise in das Kaufhaus Arlsberg oder die Konfektionsgeschäfte von Isaak Gottschalk und Sally Levy.

Jüdische Familien mussten später ihre Wohnungen verlassen und in sogenannte Judenhäuser auf der Büttgerstraße 18, Kanalstraße 65 oder Büchel 31 ziehen. Die leergezogenen Wohnungen und Häuser gingen direkt und ausnahmslos in den Besitz des Deutschen Reiches.

Die in Kraft getretenen Nürnberger Rassegesetze taten das Übrige zur Entwürdigung der Gemeindemitglieder der Jüdischen Gemeinde Neuss, die den Ereignissen vollkommen hilflos gegenüberstanden. All dies geschah in der Regel ohne erkennbare Teilnahme der übrigen Stadtgesellschaft.

Schrecklicher Höhepunkt war der 9. November 1938 als der Düsseldorfer Gauleiter der NSDAP in Neuss telefonisch die Anweisung für die Durchführung der „Judenaktion“ gab. Gegen Mitternacht drang die SA in die Synagoge hier an der Promenadenstraße ein und verwüstete die Innenräume. Der Führer der Neusser NS-Ärzteschaft organisierte die Benzinkanister und wenig später ging die Synagoge in Flammen auf. Gemeindemitglieder wurden aus ihren Häusern gezerrt, durch die Straßen gehetzt, blutig misshandelt und verhöhnt.

Der pflegebedürftige Aron Heumann wurde aus seiner neben der Synagoge gelegenen Wohnung geholt und musste unter den Fußtritten und dem Gejohle der teilweise betrunkenen SA-Männer den Gehsteig vor der schwelenden Ruine säubern.

In den Folgewochen und Monaten folgte für diejenigen Neusser Juden, die nicht fliehen konnten, die Deportation in die Lager Lodz, Riga, Theresienstadt und schließlich Auschwitz. Dies bedeutet, vor 84 Jahren begann auch in Neuss der unbeschreibliche Leidensweg für Millionen jüdischer Frauen, Männer und Kinder, der für die meisten von Ihnen in Ermordung und industrialisiertem Töten endete. Wenn wir uns heute daran erinnern, können wir dies nur, indem wir auch zeitgleich die Verantwortung für die heutige Zeit – für unsere Zeit übernehmen.

Antisemitismus war nie weg und was wir ebenfalls seit einigen Jahren bitter erfahren müssen, ist, dass soziale Netzwerke Antisemitismus und Rassismus geradezu salonfähig machen. Wenn vor einigen Jahren antisemitische Aussagen verdeckt getätigt wurden, ist es heute geradezu „normal“ dies mit dem Klarnamen versehen zu äußern.

Offener Antisemitismus, offener Rassismus, Judenhass, Hass gegen Migranten ist in die gesellschaftliche Mitte gerückt. Radikal Rechte und auch radikal Linke versuchen in die Mitte der Gesellschaft zu kommen, zum Teil auch aus wahlstrategischen Gründen.

So vergeht keine Woche, kein Tag, in dem medial nicht über einen rechten Übergriff berichtet wurde. Nicht mehr nur auf jüdisches Leben, vielmehr mittlerweile auch auf staatliche Organisationen und Institutionen.

Es gibt zahlreiche Beispiele, wie z.B. Demonstrationen in der Pandemie wo Coronagegner den gelben Stern, also das Sinnbild für Entmenschlichung und für den Mord an über 6 Millionen Menschen im Kontext „Impfen“ nutzen. Oder der durch die Querdenker formulierte Begriff „Impfen macht frei“ adaptiert an das von den Nazis formulierte „Arbeit macht frei“ und somit eine absolute Bagatellisierung des unendlichen Leids der Opfer des Holocausts und eine klare antisemitische Aussage.

Seit 9 Jahren darf ich stellvertretend für die Jüdische Gemeinde den Wortbeitrag zur Gedenkveranstaltung der Pogromnacht gestalten.

Ich appelliere in meinen Beiträgen an die Stadtgesellschaft für ein demokratisches Miteinander, für ein gemeinsames Arbeiten an demokratischen Werten und auch für ein vielfältiges Miteinander. Unsere Gesellschaft ist vielfältig und wir müssen respektvoll miteinander umgehen. Aber wie ich schon im letzten Jahr erwähnte, ich bin mir nicht sicher ob dies ausreicht. Hier ist deutlich mehr gefordert. Hass und Hetze, Antisemitismus und Rassismus in den Social Medias nimmt zu.

Extra zur Kontrolle geschaffene Behörden versuchen dies zu verfolgen und juristisch zu reglementieren. Verstärkter Polizeischutz vor jüdischen Institutionen, auch hier in Neuss, und die sicherlich und absolut unter positiven Vorzeichen ins Leben gerufene „Dunkelfeldstudie“ also die Studie, die vom Land in Auftrag gegeben wurde und untersuchen soll, wie weit Antisemitismus in der Bevölkerung verbreitet ist: dies alles gilt als Eingeständnis , dass es weiterhin Antisemitismus, Hass auf Juden und Hass auf jüdische Einrichtungen und Institutionen gibt und gab.

Mittlerweile gibt es auch diverse Hochschulen, die sich wissenschaftlich mit dem Phänomen des Antisemitismus beschäftigen und es gibt auch einzelne Worte mit einem Alleinstellungsmerkmal wie z.B. Israelfeindlichkeit – oder kennen Sie Italienfeindlichkeit, Polenfeindlichkeit oder Ungarnfeindlichkeit?

Diese Länder erwähne ich ganz bewusst, weil um uns herum im demokratischen friedlichen Miteinander der europäischen Union Parteien mit zumindest faschistischen Wurzeln von der Mehrheitsbevölkerung mit der Regierung beauftragt wurden. Und dies macht mir Angst.

Die einzige Möglichkeit, die wir haben ist, in breiter Front aus dem demokratisch bürgerlichen Lager gemeinsam wachsam gegen das zu sein, was sich schon längst entwickelt hat. Und wir müssen gemeinsam demokratisch dagegen angehen, müssen in unserem eigenen sozialen Umfeld, in unserem eigenen virtuellen sozialen Netzwerk Position gegen dieses Unrecht beziehen. Hier sind wir alle gefordert. Ansonsten verlieren wir das wesentliche was wir haben – den menschlichen Respekt voreinander.

Dieses schreckliche Drama und das verordnete industrialisierte Töten von 6 Millionen Menschen, Männer, Frauen und Kindern hat nicht mit dem Bau von Gaskammern begonnen, sondern es hat damit begonnen, Menschen auszugrenzen und Menschen nicht respektvoll zu behandeln. Der Sinn von Gedenkveranstaltungen soll nicht sein, Schuld aufzuladen, aber der Sinn soll sein, zu sensibilisieren und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die dramatischen Ereignisse von damals nicht mehr geschehen.

Keiner von uns kann das geschehene Unrecht rückgängig machen, aber wir alle haben die Verantwortung, dass Antisemitismus, Rassismus, dass Ausgrenzung von Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion und ihrer sexuellen Orientierung nie wieder vorkommen darf.

Max Mannheimer ein Holocaustüberlebender, dessen Lebenskreis sich vor sechs Jahren schloss, sagte: „Ihr seid nicht an dem Schuld, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“

Das Gedenken an die Vergangenheit, ist die Gestaltung der Zukunft. Das ist der Leitsatz, den man liest, wenn man Yad Vashem betritt. Yad Vashem, die nationale israelische Gedenkstätte des Holocaust, durfte ich vor ein paar Wochen mit SchülerInnen des Nelly-Sachs-Gymnasiums und des Marienberg-Gymnasiums aus Neuss besuchen.

Ich bin sehr froh, dass SchülerInnen aus Neuss in den Austausch mit einer israelischen Schule gehen, denn nur durch das Kennenlernen, durch das Bilden von Freundschaften gelingt es uns, Vorbehalte zu überwinden. Diese so klein klingenden Begegnungen haben für mich deutlich mehr Wert, als Worthülsen und Lippenbekenntnisse gegen Ausgrenzung.

Diese Begegnung im September, vor knapp 8 Wochen hat dazu geführt, dass sich junge Menschen aus Neuss und Herzliya getroffen haben, Beziehungen entstanden sind, die fortgeführt werden.

Somit wird automatisch Ausgrenzung und vorurteilsbehaftetes Denken ausgeschlossen. Es entstehen Bekanntschaften und sogar Freundschaften, man verabredet sich und freut sich auf den nächsten Besuch.

Es ist ein respektvoller und empathischer Umgang miteinander. Deshalb bedeutet es für mich mehr als Worthülsen und Lippenbekenntnisse.

Denn diese Generation ist es, die dafür Sorge trägt, dass Antisemitismus, Ausgrenzung und Rassismus in Zukunft nicht mehr geben darf. Diese Generation hat hierfür die Verantwortung.

Deshalb gilt mein ganz persönlicher Dank all denen, die diese Begegnung möglich gemacht haben.

Wir aus der Jüdischen Gemeinde können und wollen alles dafür tun, dass sich diese schrecklichen Ereignisse nicht mehr wiederholen und freuen uns sehr, dass wir durch unser Gemeindezentrum oder die Einweihung der neuen Synagoge nach ‘38 im letzten Jahr ein Zentrum der Begegnung für die Neusser Stadtgesellschaft geschaffen haben.

Das was geschehen ist, dieses sinnlose Entmenschlichen und Morden, darf nie wieder geschehen.

Dies ist ein Auftrag an uns alle.

 

Shalom.

 

 

Reinigung der Stolpersteine in Neuss

Am Samstag, dem 5. November 2022 ruft die SPD die Bürgerinnen und Bürger in Neuss auf, gemeinsam alle Stolpersteine in unserer Stadt zu reinigen. Die GCJZ schließt sich diesem Aufruf an und bittet um Mithilfe.

Treffpunkt für alle, die mitmachen möchten, ist um 10.00 Uhr vor der SPD-Geschäftsstelle an der Oberstraße 23. Um Anmeldung wird gebeten unter rosemarie.franken-weyers@spdneuss.de oder telefonisch unter 0172/8591853 (Rosemarie Franken-Weyers).

 

Simons-Preis zum ersten Mal vergeben!

Simons-Preis zum ersten Mal vergeben!

Es war ein besonderer Abend im Gartensaal des Clemens – Sels – Museum: der neu geschaffene Simons-Preis der GCJZ Neuss wurde zum ersten Mal vergeben und ein hochkarätiges Publikum applaudierte den Preisträgern Altbürgermeister Dr. Bertold Reinartz und dem früheren Stadtdirektor Hans Heinrich Grosse-Brockhoff. In ihrer Einführung beschrieb GCJZ-Vorsitzende Dorothea Gravemann den Simons-Preis als gelungene Verknüpfung von Tradition und Zukunft. Das jüdische Ehepaar Nathan und Sibilla Simons stiftete aus Anlaß ihrer Goldenen Hochzeit im Jahr 1881 4.000 Goldmark zur Einrichtung der Simon´schen Stiftung, die überkonfessionell der Unterstützung armer Neusser gewidmet sein sollte. Das Besondere an diesem bürgerschaftlichen Engagement, das der gesamten Stadtgesellschaft galt, war die Auszahlung an Juden und Christen gleichermaßen.

Diesen Aspekt der Toleranz hat die GCJZ aufgegriffen und zur Grundlage ihres Konzeptes, das von Jens Metzdorf und Bert Römgens entwickelt wurde, gemacht. Als erste Preisträger wurden Reinartz und Grosse-Brockhoff ausgewählt, da sie gemeinsam mit zahlreichen anderen Aktiven 1988 den Besuch der ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger in ihrer alten Heimatstadt initiierten und organisierten. Gestützt auf der akribischen Vorarbeit des Wissenschaftlers Prof .Dr. Stefan Rohrbacher und intensiv begleitet von der damaligen stellvertretenden Presseamtsleiterin Elisabeth Schmitz wurde für die Gäste aus aller Welt ein umfassendes Besuchsprogramm mit zahlreichen individuellen Programmpunkten entwickelt.

Laudator Michael Szentei-Heise, als damaliger Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf bei vielen Treffen dabei, erinnerte an die außergewöhnliche Stimmung der Woche. Gaby Glassman-Simons, die 1988 ihre Mutter nach Neuss begleitet hatte und somit zu den Teilnehmerinnen der Besuchergruppe gehörte, schilderte ihre Erinnerungen und betonte das Besondere dieser Aktion. Das ehrlich Bekenntnis zu Schuld und Verantwortung und die Bitte um Versöhnung und Freundschaft zeichnete die Reden und Aktivitäten aus, erläuterte sie. Gemeinsam mit Dorothea Gravemann überreiche Gaby Glassman-Simons den Preis. Die 1.000 € Preisgeld, die mit dem Simons-Preis verbunden sind, spendeten die beiden Ausgezeichneten der GCJZ mit der Maßgabe, mit diesem Geld Jugendprojekte für den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus zu fördern.

v.l. Hans Heinrich Grosse-Brockhoff, Dr. Bertold Reinartz, Dorothea Gravemann, Gaby Glassman-Simons
Foto: GCJZ Neuss

20 Jahre GCJZ Neuss

20 Jahre GCJZ Neuss

20 Jahre GCJZ Neuss waren der Anlass für eine gut besuchte Veranstaltung im Alten Ratssaal. Bürgermeister Reiner Breuer hatte die besondere Tagungsstätte im Rathaus zur Verfügung gestellt und würdigte in seinem Grußwort die Arbeit der Gesellschaft gegen Antisemitismus und Rassismus. Sebastian Appelfeller, Vorsitzender der Evangelischen Kirchengemeinden, Dr. Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und Kreisdechant Hans-Günther Korr gratulierten und wünschten den Aktiven weiterhin viel Erfolg bei ihrer notwendigen Aufgabe.

Als Festredner hatte man den jüdischen Publizisten und Schriftsteller Rafael Seligmann gewinnen können. Dieser schilderte die lange gemeinsame Geschichte beginnend mit den Kreuzzügen über die Judenemanzipation bis in die Gegenwart. Dabei sparte er bewußt die Nazizeit aus, um sich um so vehementer gegen die aktuellen antisemitischen Vorfälle zu wenden. Seligmann plädierte für eine engagierte und deutliche Sprache und Politik, die sich nicht scheuen dürfe, Antisemitismus in all seinen Facetten anzuprangern und zu bekämpfen. Der provokante Titel des Vortrages „Die Judensau muß weg“ erinnerte in diesem Zusammenhang an die Schmähplastik an der Wittenberger Kirche.

Vorsitzende Dorothea Gravemann betonte in ihrer Rede, dass es nicht die alleinige Aufgabe der Juden sei, auf Antisemitisches hinzuweisen. Im Gegenteil: die Zivilgesellschaft als Ganzes sei gefordert, hier einzugreifen. Dabei versprach Gravemann, auch als GCJZ Kontroversen nicht zu scheuen. Daneben sehe sich die GCJZ als Organisatorin von Begegnungen und Diskussionen, die Juden nicht nur als Opfer, sondern als handelnde Subjekte der Geschichte verstehen würden.

Die Resonanz auf die Einladung war erfreulich. Fast 100 Personen hatten sich im Alten Ratssaal eingefunden. Darunter eine Reihe von Gästen aus den Schwestergesellschaften aus Krefeld, Mönchengladbach und Düsseldorf, ebenso wie zahlreiche neusser Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Politik, die die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch bei Wein und Wasser gerne nutzten.

(von links) Bürgermeister Reiner Breuer, Dr. Rafael Seligmann, Dorothea Gravemann

Auslobung des Simons-Preises der GCJZ Neuss

Auslobung des
Simons Preis 2022 Neuss

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Neuss e.V.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Neuss e.V. lobt 2022 als Anerkennung und Würdigung des christlich-jüdischen Dialogs für ein respektvolles und tolerantes Miteinander aber auch gegen Antisemitismus, gegen Ausgrenzung und gegen Rassismus erstmals den  Simons-Preis aus.

Gewürdigt und ausgezeichnet werden sollen konkrete Maßnahme bzw. Projekte oder langjährigen Einsatz im Sinne der Förderung des christlich-jüdischen oder interreligiösen Dialogs, die diesen verbessert haben oder zum Nachmachen anregen.

Gefördert werden

Herausragendes, einmaliges oder mittel- bis langfristiges Engagement von/durch

Schulprojekte oder Einzelarbeiten
Publikationen
 Aktivitäten
Privatpersonen
 kulturelle Veranstaltungen
 Soziales Engagement

Der Simons-Preis beinhaltet ein Preisgeld von € 1.000,00.

Teilnehmen können alle in der Stadt Neuss oder im Rhein-Kreis Neuss wohnende oder arbeitenden Einzelpersonen, Vereine, Bürgerinitiativen, Einzelpersonen, Unternehmen, Schulen, soziale oder Weiterbildungseinrichtungen.

Bis zum 30.09.2022 können Bewerbungen bei der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. eingereicht werden. Die Bewerbung soll eine Beschreibung des Projekts (Flyer, Fotos, Presseartikel etc.) unter Angabe des Ansprechpartners (Name, Anschrift, Telefonnummer) beinhalten.

Eingereicht werden kann die Bewerbung unter dem Stichwort „Simons-Preis 2022“ wie folgt:

Per Mail:
kontakt@cjz-neuss.de

Per Post:
Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Neuss e.V.
c/o Bücherhaus am Münster
Krämerstraße 841460 Neuss

Mit der Teilnahme an der Ausschreibung ist die Zustimmung zur Veröffentlichung der GewinnerInnen sowie der eingereichten/prämierten Projekte verbunden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Der Preis trägt den Namen der Familie Simons, die sich in Neuss unternehmerisch und karitativ betätigte und der im Zeitalter der Emanzipation im 19. Jahrhundert der wirtschaftliche und soziale Aufstieg gelang. Die Dampfmühle N. Simons am Hafenbecken 1 entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Getreidemühlen Deutschlands. Familienmitglieder der Familie Simons nahmen repräsentative Aufgaben in der Synagogengemeinde wahr und engagierten sich in der Stadtgesellschaft. Anlässlich der Goldenen Hochzeit von Nathan (1798–1886) und Sibilla Simons (1794–1883) im Jahr 1881, die u.a. mit einem Umzug von Stadt, Handelskammer, Vereinen und Synagogengemeinde gefeiert wurde, rief das Ehepaar die „Simons’sche Stiftung“ ins Leben, mit der Bedürftige „ohne Unterschied der Confession“ unterstützt wurden.

Die Auslobung als PDF

 

Bitte Termin freihalten !

Vor 20 Jahren wurde die GCJZ Neuss gegründet.

Anlass für uns zu feiern.

Am Montag, dem 12. September 2022 um 19 Uhr laden wir alle Freundinnen und Freunde und natürlich die Mitglieder der Gesellschaft in den „Alten Ratssaal“ im Rathaus in Neuss ein.

Als Festredner des Abends freuen wir uns über die Zusage des jüdischen Autoren und Publizisten Rafael Seligmann.

 

Ein Veranstaltungshinweis für Lyrikinteressierte

Rose Ausländer, die ihre letzten Lebensjahre im Düsseldorfer Nelly-Sachs-Haus verbrachte, und deren Nachlaß im Heinrich-Heine-Institut gesichert ist, stammt aus Czernowitz.

Ihre Gedichte bewegen immer noch und gehören zur klassischen Moderne.

Am Mittwoch, dem 17. August 2022 um 19 Uhr wird Rose Ausländer in einer literarisch-musikalischen Lesung im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf gewürdigt. Die Schauspielerin Jasmin Varul liest Ausländers Texte, der Geiger Andrej Bielow begleitet sie.

Anmeldung vorab möglich unter anmeldungen-hhi@duesseldorf.de oder unter 0211/8995571. Die Teilnahme ist kostenlos !

 

Simons-Preis der GCJZ Neuss ausgeschrieben

Am 24.Oktober 1881 gründete das Neusser Ehepaar Sibilla und Nathan Simons anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit die Simons-Stiftung.

An diese Stiftung schließt nun die Vergabe des Simons-Preises an.

Mit ihm sollen Personen, Vereine, Gruppen, Schulen oder Institutionen der Stadtgesellschaft Neuss ausgezeichnet werden, die sich die Förderung des christlich-jüdischen oder auch interreligiösen Dialogs zur Aufgabe gemacht haben.

Herausragendes, einmaliges oder mittel-bis langfristiges Engagement etwa durch Veranstaltungen, Publikationen, soziale oder kulturelle Aktivitäten und persönliches Engagement für den interreligiösen Dialog mit dem Ziel eines respektvollen und toleranten Miteinanders soll ausgezeichnet bzw. gefördert werden.

Die Vorschlagsfrist endet am 9. September 2022. Nötig zur Bewerbung bzw. zum Vorschlag ist eine Beschreibung des Projektes, gerne auch die bereits erreichten Ziele und die geplante Weiterentwicklung.

Die Preissumme ist auf 1.000 € festgelegt. Die Preisverleihung findet am 24. Oktober 2022 statt.

Weitere Informationen zum Simons-Preis werden gerne von der GCJZ oder von den Mitgliedern im erweiterten Vorstand Dr. Jens Metzdorf und Bert Römgens beantwortet.

 

Kunstfreiheit hört bei Antisemitismus auf!

Der erweiterte Vorstand des GCJZ Neuss hat sich in seiner letzten Sitzung der Stellungnahme der GCJZ Kassel und des Präsidiums des Koordinierungsrates zur Dokumenta 15 angeschlossen. Nach einem beispiellosen Vorspiel, bei dem deutlich wurde, daß erst nach verschiedenen Interventionen das antisemitische Werk aus der Öffentlichkeit entfernt wurde, zeigt sich deutlich, daß es um Grundsätzliches geht.

 

Bereits am 26.Mai 2022 wurde auf dem politischen Weg die Kulturstaatsministerin Claudia Roth auf das Werk aufmerksam gemacht. Zunächst wurde ein reines Verhängen für ausreichend gehalten, ohne das Werk aus der Ausstellung zu entfernen. Der Abbau wurde kritisiert, da er im Heimatland der Künstlerinnen und Künstler nicht verstanden werde. Der abschließende Kommentar: „ …das Werk wird nun zu einem Denkmal der Trauer über die Unmöglichkeit des Dialoges…“ , belegt, daß die Verantwortlichen der Dokumenta immer noch nicht verstanden haben, daß Antisemitismus immer und auf jeden Fall zu bekämpfen ist.

 

Im Anschluss finden Sie die Stellungnahme der GCJZ Kassel und des DKR.

 

Stellungnahme der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kassel zur Antisemitismusdebatte auf der documenta fifteen

Mit zunehmendem Befremden verfolgen wir als Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die Debatte um Israelkritik und Antisemitismus auf der documenta fifteen.

Dass das Kuratorenteam Ruangrupa aus Indonesien die Perspektive des globalen Südens, des Teilens von Ressourcen und den Gedanken des gemeinschaftlichen Produzierens auch von Kunst für die Herausforderungen unserer Zeit stark machen will, haben wir mit großer Neugier und Spannung erwartet.

Dass in diesem Zusammenhang auch ein palästinensisches Künstlerkollektiv auf der documenta vertreten sein würde, erschien uns verständlich, auch wenn wir die Nähe des Künstlerkollektivs „The Question of Funding“ zur israelkritischen Kampagne „Boykott, Desinvestment und Sanctions“ (BDS) mit Sorge beobachteten. Denn die Grenzen zwischen legitimer Kritik an der Regierungspolitik Israels und der Bestreitung des Existenzrechts Israels verschwimmen bekanntlich bei der BDS-Bewegung.

Bereits in dieser am Anfang des Jahres geführten Debatte hätten wir vonseiten der documenta-Leitung und des Kuratorenteams eine Positionierung erwartet, die klarstellt, dass das Existenzrecht Israels bei aller künstlerischen Freiheit unverhandelbar ist. Um hier einen offenen Diskurs zu fördern, wäre die Einladung jüdischer israelischer Künstler*innen durchaus angemessen gewesen.

Dass die von der documenta geplante Gesprächsreihe „We need to talk“ abgesagt wurde, bedauern wir zutiefst. Hier wäre eine direkte Diskussion zwischen Vertretern des globalen Südens, der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und Israels möglich gewesen und hätte u.E. zu einer Sensibilisierung des kuratorischen Teams für den spezifisch deutschen historischen Kontext von Antisemitismus bis in die bundesdeutsche Gegenwart führen können.

Dies ist jedoch fatalerweise nicht geschehen. Und es scheint der Blindheit gegenüber dem tiefsitzenden Antisemitismus in der indonesischen Gesellschaft geschuldet zu sein, dass das indonesische Kuratorenteam mit offensichtlicher Billigung der documenta-Leitung am Tage der Eröffnung ein riesiges Banner mit antisemitischer Propaganda des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi aufstellen ließ – und zwar im Herzen der documenta-Stadt, auf dem Friedrichsplatz.

Ganz im Stile des Stürmers erscheint hier die Karikatur eines Juden mit tierähnlichem Gesicht, Schläfenlocken, gefletschten Reißzähnen, Zigarre und gespaltener Zunge. Auf dem Hut prangen die Runen der SS: die Opfer der Nationalsozialisten werden damit selber zu Nazis erklärt – ein Klassiker des modernen Antisemitismus. Desweiteren sieht man auf dem Wimmelbild eine Truppe schwer bewaffneter Soldaten, die über menschliche Knochen trampeln. Einer von ihnen hat das Gesicht eines Schweines und trägt ein rotes Halstuch mit Davidsstern. Auf seinem Helm steht „Mossad“, das den israelischen Auslandsgeheimdienst bezeichnet.

Wir sind entsetzt darüber, dass 77 Jahre nach der Shoah auf dem Friedrichsplatz in Kassel, wo 1933 die Bücherverbrennung der Nazis stattfand, ein solch antisemitisches Zerrbild aufgestellt werden konnte. Ein Zerrbild, das alle antijüdischen Klischees bedient: Die Juden als entmenschlichte Vertreter des angeblich ausbeuterischen, kapitalistischen Weltjudentums und der angeblichen jüdischen Weltverschwörung und das zudem in verkehrter Weise die Israelis als die Nazis von heute darstellt.

Aufgrund des medialen Protestes wurde das inkriminierte Banner auf dem Friedrichsplatz inzwischen abgebaut.

Es ist jedoch leider festzustellen, dass sich neben dem inkriminierten Banner auf dem Friedrichsplatz weitere antisemitische Werke auf der documenta fifteen befinden: Mohammed al Hawarij, der dem künstlerischen Kollektiv „The Question of Funding“ angehört, stellt eine Serie von Collagen aus, die Israel mit den Nationalsozialisten gleichsetzt. Auf einem seiner Bilder sitzen vorne Bauern, die einem Gemälde von van Gogh entlehnt sind, während hinter ihnen Neubauten im Gaza-Streifen brennen.

Auf einem anderen Bild bedrohen schwer bewaffnete israelische Soldaten eine friedlich rastende Menschengruppe aus einem Bild von Francois Millet. Die Serie trägt den Titel „Guernica Gaza “ und spielt damit auf die brutale Bombardierung der Stadt Guernica durch die Legion Condor der nationalsozialistischen deutschen Wehrmacht während des spanischen Bürgerkriegs an.

Guernica wird mit Gaza und Hitlers Legion Condor mit der israelischen Armee verglichen. In Umkehrung der historischen Tatsachen werden auch hier Juden als die neuen Nazis dargestellt.

Antisemitismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und muss weltweit geächtet werden. Das gilt auch für Indonesien und insbesondere für eine weltweit beachtete Kunstausstellung. Die eindeutige Absage an alle Formen des Antisemitismus stellt die Freiheit der Kunst nicht in Frage und muss Teil des postkolonialen Diskurses werden.