1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Das Jubiläumsjahr 2021 „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wird in Neuss ergänzt durch ein weiteres Highlight:

Ein Filmprojekt, welches das Leben von Jüdinnen und Juden in Neuss von Beginn bis in die Gegenwart nachzeichnet. Unterstützt wird dieses Projekt durch Schrift- und Sprechtexte, die wir ab sofort auf unserer Homepage in verschiedenen Zeitepochen veröffentlichen.

Initiiert wurde das Projekt vom Videofilmer Igor Gorovoi (jüdische Gemeinde Neuss) und seiner Ehefrau Margarita, mit der er den Neusser Kinoklub „Prometheus“ gegründet hat.

Seit längerer Zeit erarbeiten die Eheleute Dr. Dieter Weißenborn und Angelika Weißenborn-Hinz (GCJZ, Gemeinde der Christuskirche) die Darstellung der Entwicklung jüdischen Lebens in Neuss von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Grundlagen dieses Projektes sind:

das Buch von Professor Stefan Rohrbacher (Universität Düsseldorf) „Juden in Neuss“,

das Buch von Nachum T. Gidal  „Die Juden in Deutschland, von der Römerzeit bis zur Weimarer Republik“,

das Lexikon „Die Straßen von Neuss“, Schriftenreihe des Stadtarchivs Neuss, Band 22, Herausgeber Dr. Jens Metzdorf, Neuss 2019,

Jahrbücher des Stadtarchivs Neuss,

Dokumentationen des Neusser Stadtarchivs

 

Wir danken allen Unterstützern, vor allem dem Stadtarchiv Neuss, seinem Leiter Dr. Jens Metzdorf und seinen Mitarbeiterinnen.

 

Dr. Dieter Weißenborn und Angelika Weißenborn-Hinz

 

Jüdisches Leben in Neuss, in Deutschland, Europa und der Welt

Aus der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Neuss e.V.

Jüdisches Leben in Neuss, in Deutschland, Europa und der Welt

Das letzte Jahr 2020 war vor allem ein Jahr der Erinnerungen: Der 2. Weltkrieg war endlich im Mai 1945 zu Ende; je nach politischer Einstellung war das eine Katastrophe oder die Befreiung durch die Armeen der Sowjetunion im Osten und der Alliierten (USA, Großbritannien, Frankreich) im Westen. Trotz des erschütternden, unfassbaren Ergebnisses der Nazizeit, in der zu viele Deutsche geschwiegen oder gar aktiv mitgemacht hatten, eröffnete die Weltlage die Chance für einen Neuanfang, ohne die Grausamkeiten zu vergessen, die Deutsche den Juden und anderen Gruppen, Widerstandskämpfern wie Pfarrer Paul Schneider und Dietrich Bonhoeffer und den Völkern v.a. in Europa angetan haben. Leider haben viele zu schnell eigenes Versagen verheimlicht oder abgestritten, die Widerstandskämpfer als Vaterlandsverräter beschimpft und sich nur auf ihre wirtschaftlichen Erfolge konzentriert.

Die evangelische Kirche versuchte andere Wege. Zunächst wurden im August 1945  die einzelnen Landeskirchen in der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland, organisiert. Der Rat der EKD unter der Leitung von Landesbischof Theophil Wurm gab im Oktober 1945 vor Vertretern der Ökumene im Stuttgarter Schuldbekenntnis  eine Mitschuld der Kirche an den Geschehnissen im Dritten Reich zu, und fünf Jahre später bekannte sie ausdrücklich eine Mitschuld an der Shoa.  Das führte in den Folgejahren zur vollen Akzeptanz der evangelischen Kirche im Ökumenischen Rat. Zur unvoreingenommenen Aufklärung der Nazizeit, gerade auch das Verhältnis zu evangelischen Widerstandskämpfern, brauchte es noch Zeit.  Auschwitz sollte nie wieder geschehen! Das war das Ziel, das  auch neue Gruppierungen der Kirche, wie z.B. die Aktion Sühnezeichen und deutlich später die Gedenkstätte „Deutscher Widerstand“ aktiv unterstützten.

Einige Juden haben in Deutschland überlebt, andere kamen aus den östlichen Ländern zu uns, und weitere kehrten zurück nach Deutschland. Im September 1950 wurde  der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet und in einigen Städten auch die ersten Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Beide wurden zu wichtigen Stimmen in der deutschen Zivilgesellschaft.

Hierzu beispielhaft ein kleiner Bericht über die „Stille Heldin“ Helene Jacobs (1906-1993). Sie haderte zunächst mit der evangelischen Kirche, schloss sich dann der Bekennenden Kirche an und rettete viele Jüdinnen und Juden vor Deportation und Tod, in aller Stille, trotz möglicher Gefahren für ihr eigenes Leben.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges setzte sie sich aktiv  für die Verständigung zwischen Christen und Juden ein; 1983 erhielt sie die Buber-Rosenzweig-Medaille des DKR für christlich-jüdische  Zusammenarbeit und wird im selben Jahr für die Rettung von Juden von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Eine von aller Welt anerkannte Geste des Schuldeingeständnisses für das deutsche Volk war der Kniefall von Bundeskanzler Brandt am 7.12. 1972 im Warschauer Ghetto bei seinem Besuch in Polen. Historiker und Journalisten sind sich fast alle einig, dass dieser Kniefall das Verhältnis zu den geschundenen Völkern des Nazi-Regimes deutlich verbesserte.

Auch in Neuss gab es für die jüdische Bevölkerung im sog. 3. Reich Diskriminierungen, Verfolgungen, Enteignungen, Deportationen und die Vernichtung der Synagoge. Letzteres geschah am 9./10. November 1938  v.a. durch die SS, aber leider auch vor den Augen und dem Schweigen bzw. der Zustimmung von Neussern. Im November 1942 wurde Neuss für „judenrein“ erklärt.

Diese erste Synagoge in Neuss wurde von dem preußischen Baumeister Friedrich Weise geplant. Er ließ sie im orientalischen Stil erbauen (Vorderfront) und im hinteren Bereich durch die großen Fenster wie ein Kirchenschiff aussehen. Sein Grabstein befindet sich neben der Christuskirche.

Die Synagoge wurde Ende März 1867 feierlich eingeweiht und bildete fortan den Höhepunkt des religiösen Lebens für die jüdische Gemeinde. Auch architektonisch wertete sie das Gebiet zwischen Promenaden- und Michaelstraße auf.

Diese Synagoge war ein gutes Zeichen für jüdisches Leben in Neuss. Nach mehr als 70 Jahren wurde sie aus Hass vernichtet; und nun dauert es mehr als 80 Jahre,  bis  im Frühsommer 2021  die neue Synagoge und das erweiterte Alexander-Bederov-Zentrum in Neus feierlich eingeweiht werden.

Die Neusser jüdische Gemeinde hat dann wieder eine eigene Synagoge und ein Gemeindezentrum mit schönen, teils flexiblen Räumen für kleine Treffen bis hin zu größeren Feiern. Darauf freuen wir uns auch als GCJZ sehr. Wir danken an dieser Stelle allen die sich schon vor vielen Jahren für einen Neubau eingesetzt haben. In den letzten Jahren  ganz aktiv waren Bürgermeister Reiner Breuer, Pfarrer Franz Dohmes und Bert Römgens (beide in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende  der GCJZ in Neuss).

Der Vorstand unserer Gesellschaft plant ein buntes Kulturprogramm rund um das neue Zentrum und in der Neusser Innenstadt: Lesungen, Musikveranstaltungen, Kennenlern-Treffen, Führungen, Diskussionen.

Nähere Informationen und Termine werden in einem kleinen Programmheft verbreitet.

Wir hoffen sehr, dass Corona es ermöglicht.

 

Das Jahr 2021 ist ein ganz wichtiges Jubiläumsjahr für das Zusammenleben der jüdischen und christlichen Gemeinden in unserem Land:

 

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

 

Auch hierzu wird es in unserer Region viele Veranstaltungen geben, die Eröffnung durch den Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, der die Schirmherrschaft übernommen hat, ist im Februar 2021 vorgesehen. Es wird wohl ein digitales Ereignis sein wegen der Pandemie. Weitere Feierlichkeiten erstrecken sich über das ganze Jahr in Deutschland.

Beide Festlichkeiten lassen sich in Neuss gut verbinden, obwohl ein Nachweis für jüdisches Leben in unserer Stadt erst im 11. bzw. 12.  Jahrhundert vorliegt. Es gab eine Notiz von 1096, dass 200 Juden in Neuss getötet wurden.

Die 1700 Jahre beziehen sich auf unsere Nachbarstadt Köln. Allerdings war der Anlass nicht so recht erfreulich: In den Jahren ab  321  schickte der römische Kaiser Konstantin Dekrete an den Kölner Magistrat, die den Juden die Todesstrafe ankündigten, wenn sie sich dagegen wehrten, wenn Glaubensbrüder zum Christentum konvertierten. Auch Christen durften nicht zum Judentum übertreten.  Trotzdem gab es kaum Probleme im Zusammenleben der Bürger. Mit zunehmender Macht der römischen Kirche und des Papstes änderte sich das aber stetig zum Nachteil der jüdischen Bevölkerung.

 

 

Angelika Weißenborn-Hinz

Schriftführerin im Vorstand

der GCJZ in Neuss

Neuigkeiten aus der Gesellschaft

Liebe Mitglieder, Freunde, Gönner und Interessierte unserer Gesellschaft in Neuss,

 

wie Sie sich sicher vorstellen können, ist unser vorgesehener Jahresplan für Veranstaltungen und weitere Termine ziemlich durcheinander geraten.

Aber als Erstes eine gute Nachricht:

Unsere Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 12.03.2020 konnte noch durchgeführt werden. Ein Hauptanliegen dieses Abends waren die Neuwahlen für den Vorstand. Nach der Entscheidung unseres langjährigen  Vorsitzenden, Pfarrer Franz Dohmes, so kurz vor seiner Pensionierung nicht mehr für ein Vorstandsamt zu kandidieren, waren Änderungen erforderlich:

Hier das Ergebnis für Vorstand, weitere Ämter, erweiterter Vorstand, Kassenprüfer:

Bert Römgens,                                 geschäftsführender Vorsitzender

Msgr. Guido Assmann

Dorothea Gravemann

Angelika Weißenborn-Hinz,         Schriftführerin

Leonid Weissmann,                        Schatzmeister

Pfarrer Ralf Laubert

Dr. Jens Metzdorf

Angelika Quiring-Perl

Leon Sztabelski

Monika Mertens-Marl                  Kassenprüferin

Axel Stucke                                        Kassenprüfer

 

Pfarrer Dohmes hat der Gesellschaft zugesichert, sich weiterhin als normales Mitglied für die christlich-jüdische Zusammenarbeit einzusetzen und uns im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten nach Kräften zu unterstützen. Der Vorstand dankte Pfr. Dohmes für seinen engagierten Einsatz in den vergangenen Jahren. Er hat mit dem gesamten Team Außergewöhnliches –zeitlich wie inhaltlich – geleistet und damit unserer GCJZ in Neuss ein sicheres Fundament weiterhin verschafft.

Herzlichen Dank auch an dieser Stelle!!!

 

Wegen Corona mussten und müssen wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnern viele geplante Veranstaltungen absagen bzw. in kleinster Besetzung durchführen wie z.B. die Grundsteinlegung der neuen Neusser Synagoge und des Erweiterungsbaus des jüdischen Gemeindezentrums (nur zwei Personen), Vortrag Israelreise, Lesungen u.a. Dazu gehören auch der Tag der Namenslesung im April und der Israeltag im Mai. Heute können wir noch nicht entscheiden, ob und wann diese Termine nachgeholt werden können.

Vergessen dürfen wir trotz aller Einschränkungen nicht, dass trotz der weltweiten Pandemie  politische Verwerfungen bei uns, in Europa und der übrigen Welt v.a. durch Rechtsradikale, Antisemiten, Antidemokraten nicht verschwunden, sondern nach wie vor vorhanden sind. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, zeigen wir gerade in dieser schwierigen Zeit die rote Karte gegen jede Form von Hass, Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung.

Vergessen dürfen wir vor allem nicht, dass der Schutz der Gesundheit aller, besonders der gefährdeten Gruppen an erster Stelle unseres Handelns stehen sollte.

Vergessen dürfen wir auch nicht, jenen Hilfe, Unterstützung, herzlichen Dank und solidarisches Handeln zu geben, die im Moment eine großartige Arbeit für unsere Gesamtgesellschaft täglich viele Stunden tun, oft bis an den Rand eigener Erschöpfung.

Passen Sie auf sich und andere auf, seien Sie gelassen und vor allem: Bleiben Sie gesund!!

 

Wir wünschen unseren jüdischen Freunden zu Pessach, dem Fest der Freiheit, Liebe, Glück und Zuversicht und unseren christlichen Freunden fröhliche, friedliche und gesegnete Ostern.

Chag Pessach Kascher we‘ Sameach !!                                  Frohe Ostern !!               

 

Angelika Weißenborn-Hinz, Schriftführerin

-für den Vorstand-  im April 2020

 

Solidaritätsveranstaltung wegen der Attentate in Halle an der Saale

Solidaritätsveranstaltung wegen der Attentate in Halle an der Saale

11. Oktober 2019

Wegen der Attentate am 9. Oktober 2019 versammelten sich Neusser Bürger, Vertreter aus der Verwaltung und aus den Religionsgemeinschaften um ihre Solidarität mit den Opfer zu zeigen.

Hier die Ansprache von Bert Roemgens, Vertreter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Breuer,

Vertreter des Rates, der Verwaltung und der Politik,

Kirchen, muslimische Verbände,

Anwesende und natürlich Vertreter des Raum der Kulturen,

insbesondere lieber Hamdi!

Vorgestern war für uns als Jüdische Gemeinschaft Deutschland ein schwarzer Tag. Aber auch ein schwarzer Tag für unser vielfältiges demokratisch gelebtes Miteinander.

Eigentlich sollte der Tag Jom Kippur – für uns der höchste Feiertag -, der Tag sein, an dem das nächste Jahr im Buch des Lebens vom Ewigen besiegelt wird. An Rosh Hashana wird unser Schicksal vom Ewigen ins Buch des Lebens eingeschrieben, an den folgenden Tagen haben wir durch unser aktives soziales Handeln die Möglichkeit zur Umkehr an .Jom Kippur findet – so hoffen wir – für uns im positiven Sinn die Besiegelung unseres Schicksals statt.

Wie Sie alle wissen, kam es anders. Ein terroristischer, feiger und hinterhältiger Anschlag an der Synagoge in Halle hat zwei Menschen das Leben gekostet. Der Täter, ein rechtsextremer Neonazi, wollte ganz bewusst an Jom Kippur in die Synagoge gelangen, um alle Betenden dort umzubringen.

Für den Fall, dass er nicht alle treffen könne, legte er vor der Synagoge Sprengkörper aus, um Feuer zu legen, weil er wusste, dass die potentiellen Opfer aus der Synagoge kommen mussten.

Ein perfider Plan, der vielen betenden Juden das Leben hätte kosten können.

Die Besucher der Synagoge konnten sich im ersten Obergeschoss verbarrikadieren. Wer Fotos der angeschossenen Türe gesehen hat, weiß welche Ängste die G’ttesdienstbesucher ausstehen mussten.

Wie wir heute wissen, gehört der Terrorist in den rechtsextremen Block verortet, der den Holocaust leugnet und dessen Ziel es ist, zunächst möglichst viele Juden zu töten.

Denn das vereinende ideologische Merkmal im Rechtsextremismus ist der Antisemitismus gefolgt von Rassismus.

Das nächste Ziel des terroristischen Übergriffs wäre eine Moschee oder ein linkes Zentrum gewesen.

Für eine Passantin, die den Täter ansprach und für den Besitzer des Döner-Imbisses, in dem der Täter seinen Anschlag fortsetzte, kam leider jede Hilfe zu spät.

Wie gehen wir damit um?

Böse Gedanken – böse Worte – böse Taten (Talmud)

Was vor zehn Jahren nur gedacht wurde, wird heute – legitimiert durch eine fragliche Alternative – offen ausgesprochen. Ja, auch heue müssen wir feststellen, dass diese „Alternative“ der geistige Brandstifter ist. Öffentliche Auftritte von Funktionären mit

Neonazis, der offene Umgang mit dem sogenannten Kyffhäuser Flügel führt wie selbstverständlich dazu, dass die rechte und menschenverachtende Gesinnung in diesem Jahr in Plauen, in Dortmund und im letzten Jahr in Chemnitz aufmarschieren konnten. Dazu kommt, das perfekte Bedienen der neonazistischen Nomenklatur. Hier ist die Politik gefordert eine richtige Alternative aufzuzeigen.

Offener Antisemitismus, offener Rassismus in sämtlichen Social Media, Judenhass und Hass gegen Migranten ist in die gesellschaftliche Mitte gerückt. Und das ist das Ergebnis unseres Umganges mit rechten Ideologien.

Wir brauchen eine stabile respektvolle und vielfältige Gesellschaft.

Wir dürfen nicht zulassen, dass das Rechte und Radikale in die Mitte rückt oder die Mitte sich aus wahlstrategischen Gründen dem Rechten öffnet.

Viele  Facebookprofile haben jetzt „Together against Antisemitism“ oder „Nie wieder“ in ihr Profilbild gestellt. Aber, wie füllen wir das mit Leben. Nachhaltigkeit ist zwingend notwendig. Jeder ist aufgefordert in seinen eigenen Netzwerken gegen Ausgrenzung, gegen Antisemitismus und gegen Rassismus anzugehen.

Auch wenn die Verantwortung für die Tat beim Täter liegt, so wurde er doch von einer Gesellschaft ermutigt, die ein „Nie wieder“ nicht entschlossen gelebt hat. Das dürfen wir nicht zulassen.

Ich hoffe auch, dass wir auch im Andenken an den feigen antisemitischen Anschlag und im Andenken an die Opfer von Halle bereit sind, das „nie wieder“ immer mit eigenem Handeln zu füllen.

Von Herzen wünsche ich Ihnen und uns Shabbat Shalom!

 

Stellungnahme zur Karikatur der Süddeutschen Zeitung

Die Süddeutsche Zeitung fällt mal wieder mit einer ihrer Karikaturen aus dem Rahmen.

Drohend und aggressiv beugt sich eine Figur, die den ukrainischen Präsidenten darstellen soll, über eine große Tafelrunde, die die führenden Köpfe aus weltweiter Wirtschaft und Politik symbolisieren soll. Es geht um die Rede, in der sich Selenskyj an die Gäste des Weltwirtschaftsforums in Davos wandte. Der ukrainische Präsident scheint den Mächtigen der Welt im Sinne der „jüdischen Weltverschwörung“ seine Agenda und Forderungen aufzudrücken. Hierbei, wie die SZ es schreibt, nur von einer zeichnerischen Umsetzung der Fernsehbilder zu sprechen, verkennt die Wirkung des Bildes.

Wie blind oder bösartig muss man sein, um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj so in einer Karikatur abzubilden und trotzdem Antisemitismus zu leugnen?

Dabei ist es (fast) gleichgültig, ob der Karikaturist selbst Antisemit ist oder er nur gängige antisemitische Klischees bedienen will, oder ob Selenskyj Jude ist. Wer sich beim NS-Blatt Stürmer bedient, hat in die falsche Kiste gegriffen. Und wer als Redaktion zulässt, dass solche Bilder veröffentlicht werden, hat kein Fingerspitzengefühl in dieser Angelegenheit und lässt jede Empathie vermissen.

Die Süddeutsche Zeitung hat zum wiederholten Mal eine unglückliche Hand bei der Auswahl von Texten und Karikaturen bewiesen. Wenn schon nicht der Zeichner Pepsch Gottscheber, der für dieses Bild verantwortlich zeichnet, bemerkt, auf welcher historischen Darstellung er fußt, so hätte die Redaktion, der sich liberal verstehenden Zeitung den Druck verhindern müssen – oder war das vielleicht Absicht?

Denn diese Darstellung des ukrainischen Präsidenten entspricht genau den rassistischen Stereotypen des Stürmers und aktueller antisemitischer Hetzschriften.

Stellungnahme gemäß Beschluss des Vorstandes der GCJZ Neuss vom 28.05.2022